Weihnachtsgeschichten: kurz, lustig und besinnlich für Kinder und Erwachsene

Weihnachtsgeschichten, für Kinder und Erwachsene, findest du bei uns schnell, ohne langes Suchen, in übersichtlicher Auswahl. Sie sind bestens geeignet für gemütliche Stunden am Kamin, oder als kleine Gute-Nacht-Geschichte in der Weihnachtszeit. Wir wünschen dir viel Freude mit unseren kurzen, lustigen und besinnlichen Weihnachtsgeschichten.

Weihnachtsgeschichten Übersicht:

Besinnliche Weihnachtsgeschichte:

1. Unser erster Christbaum

Es waren die ersten Weihnachtsferien meiner Studienzeit. Wochenlang hatte ich schon die Tage, endlich die Stunden gezählt bis zum Morgen der Heimfahrt von Graz nach Alpel. Und als der Tag kam, da stürmte und stöberte es, dass mein Eisenbahnzug stecken bleib. Da stieg ich aus und ging zu Fuß, frisch und lustig, sechs Stunden lang durch das Tal, wo der Frost mir Nase und Ohren abschnitt, dass ich sie gar nicht mehr spürte. Durch den Bergwald hinauf, wo mir so warm wurde, dass die Ohren auf einmal wieder da waren und heißer als je im Sommer.
So kam ich, als es schon dämmerte, glücklich hinauf, wo das alte Haus, schimmernd durch Gestöber und Nebel, wie ein verschwommener Fleck stand, einsam mitten in der Schneewüste.
Als ich eintrat war die Stube so klein und niedrig und dunkel und warm - urheimlig. In den Stadthäusern verleirt man ja allen Maßstab für ein Waldbauernhaus. Aber man findet sich gleich hinein, wenn die Mutter den Ankömmling ohne alle Umstände so begrüßt: “ Na, weil d´ nur da bist! ”
Auf dem offenene Steinherd prasselt das Feuer, in der guten Stube wurde eine Kerze angezündet. “ Mutter, nit! “ wehrte ich ab, “ tut lieber das Spanlicht anzünden, dass ist schöner.”
Sie tat´s aber nicht. Das Kienspanlicht ist für die Werktage. Weil nach langer Abwesenheit der Sohn heimkam, war für die Mutter Feiertag geworden. Darum die festliche Kerze.
Als die Augen sich an das Halblicht gewöhnt hatten, sah ich auch das Nickerl, das achtjährige Brüderlein. Es war das Jüngste und Letzte. “ Ausschauen tust gut! “ lobte die Mutter meine vom Gestöber geröteten Wangen.
Der kleine Nickerl aber sah blass aus. “ Du hast ja die Stadtfarb, statt meiner! “ sagte ich und habe gelacht. Die Sache war so. Der Kleine tat husten, den halben Winter schon. Und da war eine alte Hausmagd, die sagte es täglich wenigstens dreimal, dass für ein “hustendes Leut” nichts schlechter sei als “ der kalte Luft”. Sie verbot es, dass der Kleine hinaus vor die Türe ging. Ich glaube, deshalb war er so blass, und nicht des Hustens halber.
In der dem Christfest verhergehenden Nacht schlief ich wenig - etwas Seltenes in jenen Jahren. Die Mutter hatte mit aauf dem Herde ein Bett gemacht mit der Weisung, die Beine nicht soweit auszustrecken, sonst kämen sie in die Feuergrube, wo die Kohlen glosten. Die glosenden Kohlen waren gemütlich, das knisterte in der stillfinsteren Nacht so hübsch und warf manchmal einen leichten Glutschein an die Wand, wo  in einem Gestelle die buntbemalten Schüsseln lehnten. Da war ein Anliegen, über das ich schlüssig werden musste in dieser Nacht, ehe die Mutter an den Herd trat, um die Morgensuppe zu kochen. Ich hatte viel sprechen gehört davon, wie man in den Städten Weihnachten feiert. Da sollen sie ein Fichtenbäumchen, ein wirkliches kleines Bäumlein aus dem Wald, auf den Tisch stellen, an seinen Zweigen Kerzlein befestigen, sie anzünden, darunter sogar Geschenke für die Kinder hinlegen und sagen, das Christkind hätte es gebracht.
Nun hatte ich vor von meinem kleinen Bruder, dem Nickerl, einen Christbaum zu errichten. Aber alles im Geheimen, dass gehört dazu. Nachdem es soweit taglicht geworden war, ging ich in den frostigen Nebel hinaus. Und just dieser Nebel schützte mich vor den Blicken der ums Haus herum arbeitenden Leute, als ich vom Wald her mit einem Fichtenwipfelchen gegen die Wagenhütte lief.
Dann ward es Abend.Die Gesindleute waren noch in den Ställen beschäftigt oder in den Kammern, wo sie nach der Sitte des Heiligen Abends die Köpfe wuschen und ihr Festgewand herrichteten. Die Mutter in der Küche buk die Christtagskrapfen, und der Vater mit dem kleinen Nickerl besegnete den Hof. Hatte nämlich der Vater in einem Gefäß glühende Kohlen, hatte auf die selben Weihrauch gestreut und ging damit durch alle Räume des Hofes, um sie zu beräuchern und dabei schweigend zu beten. Es sollten böse Geister vertrieben und gute ins Haus gesegnet werden.
Dieweilen also die Leute draußen zu tun hatten, bereitete ich in der großen Stube den Christbaum . Das Bäumchen, das im Scheite stak, stellte ich auf den Tisch. Dann schnitt ich vom Wachsstock zehn oder zwölf Kerzen und klebte sie an die Ästlein. Unterhalb, am Fuße des Bäumchens, legte ich einen Wecken hin.
Da hörte ich über der Stube auf dem Dachboden auch schon Tritte - langsamen und trippelnde. Sie waren schon da und segneten den Bodenraum. Bald würden sie in der Stube sein, mit der wir den Rauchgang zu beschließen pflegten. Ich zündete die Kerzen an und versteckte mich hinter dem Ofen.
Die Tür ging auf, sie traten herein mit ihren Weihgefäßen und standen still. “ Was ist denn das? “ sagt der Vater mit leiser langgezogener Stimme. Der Kleine starrte sprachlos drein. In seinen großen, runden Augen spiegelten sich wie Sternlein die Christbaumlichter. -
Der Vater schritt langsam zur Küchentür und flüsterte hinaus: “ Mutter, Mutter! Komm ein wenig herein.” Und als sie da war: “ “ Mutter, hast du das gemacht? ”
“ Maria und Josef!” hauchte die Mutter, “ was lauter habens habens denn da auf den Tisch getan?” Bald kamen auch die Knechte und die Mägde herbei, hell erschrocken über die seltsame Erscheinung. Da vermutete einer, ein Junge, der aus dem Tal war: Es könnte ein Christbaum sein...
Sollte es denn wirklich wahr sein, dass Engel solche Bäume vom Himmel bringen? - Sie schauten und staunten. Und aus des Vaters Gefäß qualmte Weihrauch und erfüllte schon die ganze Stube, so dass es war wie ein zarter Schleier, der sich über das brennende Bäumchen legte.
Die Mutter suchte mit den Augen in der Stube herum. “ Wo ist denn der Peter? ”
Da erachtete ich es an der Zeit, aus dem Ofenwinkel hervorzutreten. Den kleinen Nickerl, der immer noch sprachlos und unbeweglich war, nahm ich an den kühlen Händchen und führte ihn vor den Tisch. Fast sträubte er sich. Aber ich sagte, selber tief feierlich gestimmt,  zu ihm: “ Tu dich nicht fürchten, Brüderl! Schau, das lieb Christkindl hat dir einen Christbaum gebracht. Der ist dein.” Und da hub der Kleine zu wiehern vor Freude und Rührung, und die Hände hielt er gefaltet wie in der Kirche.
Öfter als vierzig mal seither habe ich den Christbaum erlebt, mit mächtigem Glanz, mit reichen Gaben und freudigem Jubel unter Großen und Kleinen. Aber größere Christbaumfreude, ja eine so helle Freude hab ich noch nicht gesehen, als jene meines kleinen Brüderlein Nickerl, dem es so plötzlich und wundersam vor Augen trat, ein Zeichen dessen, der da vom Himmel kam.

-Peter Rosegger-

Kurze Weihnachtsgeschichte:

2. Ein Winterabend

Ein Winterabend, still und kalt,
drei Kindlein wandern durch den Wald.
Sie gingen so oft schon den Weg allein,
heut schimmert der Mond mit seinem Schein.
Der Weg, der sonst so kurz nach Haus,
heut mündet er nimmer zum Walde hinaus.
Die kleinen Beinchen, sie schreiten voran,
da ragt empor der finst´re Tann.
Sie laufen zurück, und hin und her,
sie finden im Schnee den Weg nicht mehr.
Es weinen die Kleinen, wohl irrten sie weit,
kalt war die Nacht, längst Schlafenszeit.
Sieh dort, unter Wurzeln, ein trockenes Hohl,
da bettet das Schwesterlein beide wohl,
trägt Laub und Moos zu ihrer Ruh´
und deckt mit dem eigenen Kleidchen sie zu.
Die Nacht war kalt, vom Monde erhellt,
es funkeln die Sterne am Himmelszelt.
Man hat sie gesucht, mit Rufen und Schreien,
man hat sie gefunden beim Morgenschein.
Die beiden Kleinen schlafen fest
aneinander gedrückt im warmen Nest.
Den Arm gerafft voll Laub und Moos,
so fand man die andere bewegungslos,
so lag sie im Schnee, die Wangen rot,
sie hatte geküsst der eisige Tod!

-© Margarethe Andres-

Was ist Weihnachten ohne Geschichten? Diese können für Groß und Klein eine Bereicherung sein, sie stimmen uns auf die besinnliche Adventszeit ein.
Gerade jetzt, bei Kerzenschein und Plätzchenduft, kommt eine Geschichte ganz recht. Nehmt euch dafür ein paar Minuten Auszeit, um euch zu erholen und die Weihnachtsstimmung auf euch wirken zu lassen.

Besinnliche Weihnachtsgeschichte:

3. Der allererste Weihnachtsbaum

Der Weihnachtsmann ging durch den Wald. Er war ärgerlich. Sein weißer Spitz, der sonst immer lustig bellend vor ihm herleif, merkte dass und schlich hinter seinem Herren mit eingezogener Rute her. Er hatte nämlich nicht mehr die rechte Freude an seiner Tätigkeit. Es war alle Jahre dasselbe. Es war kein Schwung in der Sache. Spielzeug und Esswaren, dass war auf Dauer nichts. Die Kinder freuten sich wohl darüber, aber quiecke, jubeln und singen, so wollte er es, das taten sie aber nur selten.
Den ganzen Dezembermonat hatte der Weihnachtsmann schon darüber nachgegrübelt, was er wohl Neues finden könne, um einmal wieder die rechte Weihnachtsfreude in die Kinderwelt zu bringen, eine Weihnachtsfreude, an der auch die Großen teilnehmen würden. Kostbarkeiten durften es auch nicht sein, denn er hatte soundsoviel auszugeben und mehr nicht.
So stapfte er denn durch den verschneiten Wald, bis er auf dem Kreuzweg war. Dort wollte er das Christkind treffen. Mit dem beriet er sich nämlich immer über die Verteilung der Gaben. Schon von Weitem sah er, dass das Christkind da war, denn ein heller Schein war dort. Das Christkindchen hatte ein langes, weißes Pelzkleidchen an und lachte über das ganze Gesicht. Denn um es herum lagen große Bündel Kleeheu und Bohnenstiegen und Espen- und Weidenzweige und daran taten sich die hungrigen Hirsche, Rehe und Hasen gütlich. Sogar für die Sauen gab es etwas:
Kastanien, Eicheln und Rüben. Der Weihnachtsmann nahm seinen Wolkenschieber ab und bot dem Christkind die Tageszeit. “ Na Alterchen, wie geht´s?”, fragte das Christkind. “ Hast wohl schlechte Laune?” Damit hakte es den Alten unter und ging mit ihm. Hinter ihnen trabte der kleine Spitz, aber er sah gar nicht mehr betrübt aus und hielt seinen Schwanz kühn in die Luft.
“ Ja ”, sagte der Weihnachtsmann, “ die ganze Sache macht mir so recht keinen Spaß mehr. Liegt es am Alter oder an sonst was, ich weiß es nicht. Das mit den Pfefferkuchen und den Äpfeln und Nüssen, das ist nichts mehr. Das essen sie nur auf und dann ist das Fest vorbei. Man müsste etwas Neues erfinden, etwas das nicht zum Essen und nicht zum Spielen ist, aber wobei Alt und Jung lacht und fröhlich wird. ”
Das Christkindchen nickte und machte ein nachdenkliches Gesicht, dann sagte es: “ Da hast du Recht, Alter, mir ist das auch schon aufgefallen. Ich habe daran auch schon gedacht, aber das ist nicht so leicht “. “ Das ist es ja gerade”, knurrte der Weihnachtsmann, “ ich bin zu alt und zu dumm dazu. Ich habe schon richtiges Kopfweh vom vielen Nachdenken und es fällt mir doch nichts Vernünftiges ein. Wenn es so weiter geht, schläft allmählich die ganze Sache ein und es wird ein Fest wie alle anderen, von dem die Menschen dann weiter nichts haben als Faulenzen, Essen und Trinken. “
Nachdenklich gingen beide durch den Winterwald, der Weihnachtsmann mit brummigem, das Christkind mit nachdenklichem Gesicht. Es war so still im Wald, kein Zweig rührte sich, nur wenn die Eule sich auf einen Ast setzte, fiel ein Stück Schneebehang mit halblautem Ton herab. So kamen die beiden, den Spitz hinter sich, aus dem hohen Holz auf einen alten Kahlschlag, auf dem große und kleine Tannen standen. Das sah wunderschön aus. Der Mond schien hell und klar, alle Sterne leuchteten, der Schnee sah aus wie Silber und die Tannen standen darin, schwarz und weiß, dass es eine Pracht war. Eine fünf Fuß hohe Tanne, die allein im Vordergrund stand, sah besonders reizend aus. Sie war regelmäßig gewachsen, hatte auf jedem Zweig einen Schneestreifen, an den Zweigspitzen kleine Eiszapfen, und glitzerte und flimmerte nur so im Mondenschein:
Das Christkindchen ließ den Arm des Weihnachtsmannes los, stieß den Alten an, zeigte auf die Tanne und sagte: “ Ist das nicht wunderhübsch? “ “ Ja “, sagte der Alte, “ aber was hilft mir das? “ “ Gib ein paar Äpfel her ” ,sagte das Christkindchen, “ ich habe einen Gedanken.” Der Weihnachtsmann machte ein dummes Gesicht, denn er konnte sich nicht recht vorstellen, dass das Christkind bei der Kälte noch Appetit auf die eiskalten Äpfel hatte. Er hatte zwar noch einen guten alten Schnaps, aber den mochte er dem Christkind nicht anbieten. Er machte sein Tragband ab, stellte seine riesige Kiepe in den Schnee, kramte darin herum, holte ein Messer heraus, wetzte es an einem Buchenstamm und reichte es dem Christkindchen. “ Nun schneid mal etwas Bindfaden in zwei Finger lange Stücke und mach mit zwei kleine Pflöckchen.”
Dem Alten kam das etwas ulkig vor, aber er sagte nichts und tat, was das Christkind ihm sagte. Als er die Bindfadenenden und die Pflöckchen fertig hatte, nahm das Christkind einen Apfel, steckte ein Pflöckchen hinein, band den Faden daran und hängte den an einen Ast. “ So “, sagte es dann, “ nun müssen auch an die anderen welche und dabei kannst du helfen, aber schön vorsichtig, dass kein Schnee abfällt! “ Der Alte half, obgleich er nicht wusste, warum. Aber es machte ihm schließlich Spaß und als die ganze kleine Tanne voll rotbäckiger Äpfel hing, da trat er fünf Schritte zurück, lachte und sagte: “ Kiek, wie niedlich das aussieht! Aber was hat das alles für´n Zweck? “ “ Braucht denn alles gleich einen Zweck zu haben?”, lachte das Christkind.
“ Pass auf, dass wird noch schöner. Nun gib mal Nüsse her!” Der Alte krabbelte aus seiner Kiepe Walnüsse ehraus und gab sie dem Christkindchen. Das steckte in jedes ein Hölzchen, machte einen Faden daran, rieb immer eine Nuss an der goldenen Oberseite seiner Flügel, dann war die Nuss golden, und die nächste an der silbernen Unterseite seiner Flügel, dann hatte es eine silberne Nuss und hängte sie zwischen die Äpfel. “ Was sagst du nun Alterchen?”, fragte es dann. “ Ist das nicht allerliebst?” “ Ja”, sagte der, “ aber ich weiß immer noch nicht ...” “ Komm schon!”, lachte das Christkindchen. “ Hast du Lichter?” “ Lichter nicht”, meinte der Weihnachtsmann, “ aber ´nen Wachsstock!” “ Das ist fein”, sagte das Christkind, nahm den Wachsstock, zerschnitt ihn und drehte erst ein Stück um den Mitteltrieb des Bäumchens und die anderen Stücke um die Zweigenden, bog sie hübsch gerade und sagte dann: “ Feuerzeug hast du doch?” “ Gewiss ” sagte der Alte, holte Stein, Stahl und Schawmmdose heraus, pinkte Feuer aus dem Stein, ließ den Zunder in der Schwammdose zum Glimmen kommen und steckte daran ein paar Schwefelspäne an. Die gab er dem Christkindchen. Das nahm einen hell brennenden Schwefelspan und steckte damit erst das oberste Licht an, dann das nächste von rechts, dann das gegenüberliegende. Und rund um das Bäumchen gehend, brachte es so ein Licht nach dem anderen zum Brennen.
Da stand nun das Bäumchen im Schnee; aus seinem halbverschneiten, dunklen Gezweig sahen die roten Backen der Äpfel, die Gold- und Silbernüsse blitzten und funkelten und die gelben Wachskerzen brannten feierlich. Das Christkindchen lachte über das ganze rosige Gesicht und patschte in die Hände, der alte Weihnachtsmann sah gar nicht mehr so brummig aus und der kleine Spitz sprang hin und her und bellte. Als die Lichter ein wenig herunter gebrannt waren, wehte das Christkindchen mit seinen Flügeln und da gingen die Lichter aus. Es sagte dem Weihnachtsmann, er solle den Baum vorsichtig absägen. Das tat der und dann gingen beide den Berg hinab und nahmen das bunte Bäumchen mit. Als sie in den Ort kamen, schlief alles schon. Beim kleinsten Hause machten sie dann halt. Das Christkindchen machte leise die Tür auf und trat ein, der Weihnachtsmann ging hinterher. In der Stube stand ein dreibeiniger Schemel, mit einer durchlochten Platte. Den stellten sie auf den Tisch und stellten den Baum hinein. Der Weihnachtsmann legte dann noch allerlei schöne Dinge, Spielzeug, Kuchen, Äpfel und Nüsse unter den Baum und dann verließen beide das Haus, so leise, wie sie es betreten hatten.
Als der Mann, dem das Häuschen gehörte, am anderen Morgen erwachte und den bunten Baum sah, da staunte er und wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Als er aber an dem Türpfosten, den des Christkinds Flügel gestreift hatte, Gold- und Silberflimmer hängen sah, da wusste er Bescheid. Er steckte die Lichter an dem Bäumchen an und weckte Frau und Kinder. Das war eine Freude in dem kleinen Haus, wie an keinem Weihnachtstag. Keines von den Kindern sah nach dem Spielzeug, nach dem Kuchen und den Äpfeln, sie sahen alle nur nach dem Lichterbaum. Sie fassten sich an den Händen und tanzten um den Baum und sangen alle Weihnachtslieder, die sie wussten, und selbst das Kleinste, das noch auf dem Arm getragen werden musste, krähte, was es krähen konnte.
Als es hellichter Tag geworden war, da kamen die Freunde und Verwandten des Bergmanns, sie sahen das Bäumchen an, freuten sich darüber und gingen gleich in den Wald, um sich für ihre Kinder auch gleich ein Weihnachtsbäumchen zu holen. Die anderen Leute, die das sahen, machten es nach. Jeder holte sich einen Tannenbaum und putzte ihn an, der eine so, der andere so, aber Lichter, Äpfel und Nüsse hängten sie alle an. Als es dann Abend wurde, brannte im ganzen Dorf, Haus bei Haus, ein Weihnachtsbaum, überall hörte man Weihnachtslieder und das Jubeln und Lachen der Kinder.

-Hermann Löns-

Als Tipp:
Neu bei uns sind die Seiten mit Weihnachtsgebäck. Schaue gerne mal vorbei. Vielleicht möchtest du mal Selbstgebackenes zusammen mit einer Geschichte zu Weihnachten verschenken?!

Zu guter Letzt:
Kennst du noch weitere besinnliche, kurze oder lustige Weihnachtsgeschichten? Vielleicht hast du auch selber eine verfasst. Lasse es uns wissen, wenn wir dein Werk hier veröffentlichen dürfen. Schreibe uns dazu eine Email.